
Kleiner wohnen – besser wohnen
Umweltfreundlicher wohnen im Fernsehen
Den eigenen Wohnraum verkleinern, um neuen zu schaffen
Die Kinder sind ausgezogen, das Haus ist viel zu groß. Gut fürs Klima ist das nicht. Die Kampagne “kleiner wohnen – besser wohnen” hilft dabei, den eigenen Wohnraum zu verkleinern.
Ein Fernsehbeitrag von Stephan Basters, SWR Fernsehen, Baden-Württemberg aktuell, 26.04.2022
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Mehr InformationenMut zur Veränderung – Wohnraum neu gedacht
“Es ist ein gutes Gefühl, aus Vorhandenem etwas Neues zu machen, das sowohl mir persönlich als auch der Gesellschaft nützt”, betont Anita Rüffer. “Dass ich den Mut aufgebracht habe, mein Umfeld passend zu den wechselnden Umständen meines Lebens aktiv zu gestalten statt am Alten festzuhalten, macht mich auch ein bisschen stolz.”
Anita Rüffer, 75 Jahre alt, musste ihr Leben und ihre Wohnsituation nochmals neu denken. Nach zehn Jahren gemeinsamen Wohnens mit Ihrer Tochter und deren Familie war sie wieder allein in ihrem Einfamilienhaus. Sie hängt an ihrem Garten und der schönen Lage. Aber allein auf über 200 Quadratmetern zu leben, kam für sie nicht in Frage.
Die kostenfreie Umbauberatung durch Kleiner wohnen Architektin Ursula E. Müller war die Lösung. Zur bestehenden Einliegerwohnung im Untergeschoss konnte sie eine zweite Wohneinheit im Dachgeschoss mit Zugang über eine Außentreppe schaffen. Ihr Haus bekam durch den Umbau einen echten Mehrwert: Es passt sich nun flexibel an verschiedene Lebenssituationen an und bietet wahlweise Raum für eine große Familie, eine Unterteilung für erwachsene Kinder oder – wie jetzt – die Möglichkeit zur Vermietung von zwei separaten Wohneinheiten.
Wohnen im Wandel – Schritt für Schritt zu mehr Wohnkomfort
Wie wird aus einem großzügigen Familienhaus ein Zuhause für zwei Parteien? Ein Beispiel aus dem Vauban zeigt, wie kleine Schritte zu mehr Wohnkomfort und effizienter Flächennutzung führen können – ganz ohne Komplettumbau.
Familie Kranz-Heidlauf gehört zur ersten Generation im Freiburger Stadtteil Vauban. Als sie 1999 ihr dreigeschossiges Reihenmittelhaus plante, stand die Familie mit zwei Kindern im Mittelpunkt: Im Erdgeschoss wurde eine große Wohnküche und ein Behandlungsraum eingerichtet, in den oberen Stockwerken gab es Wohn- und Schlafräume für alle – mit einem gemeinsamen Badezimmer.
Mit den Jahren hat sich die Lebenssituation verändert: Die Kinder sind ausgezogen, und das Haus bot mehr Platz, als das Ehepaar selbst brauchte. Zunächst wurde ein Zimmer untervermietet, das einzige Bad teilten sich beide Parteien.
„Wir wollten wegen der Wohnungsnot in Freiburg Wohnraum anbieten und haben uns dem Vermieten schrittweise angenähert“, erzählt Frau Kranz-Heidlauf. „Ganz niederschwellig ein Zimmer mit eigener Miniküche vermietet und gemerkt: Ja, das klappt.“
Im Rahmen des Projekts „kleiner wohnen – besser wohnen“ folgte der nächste Schritt: eine zweite Wohneinheit soll im 1. und 2. Obergeschoss entstehen und dafür benötigt die Mietpartei eine eigene Badeinheit. „Das zweite Bad bringt für unsere Mieter und für uns nun mehr Komfort und der Umbau macht die Vermietung einer eigenständigen Wohnung erst möglich”, so die Bauherrin und zeigt, wie auch mit kleinen Maßnahmen großer Nutzen entsteht.
Langfristig ist noch ein zweiter Bauabschnitt geplant, dabei soll ein separater Zugang von außen ins 1. Obergeschoss geschaffen werden.
„Wichtig ist, dass wir uns alle mit der Situation wohlfühlen, unsere Wohnfläche gut genutzt wird und unser Haus in Zukunft auch wieder als Einfamilienhaus genutzt werden kann“,
betont Frau Kranz-Heidlauf. Ihr Beispiel zeigt, wie ein individuelles Konzept in Etappen entstehen kann – flexibel, praktisch und zukunftsfähig.
Aus eins mach zwei – baulich und rechtlich
Damit das Wohnen zur Lebenssituation passt, braucht es manchmal Veränderungen, die sich über einen längeren Zeitraum entwickeln. Oft erfolgt der Weg in mehreren Schritten – mit Pausen, neuen Lebensumständen und wichtigen Entscheidungen. Neben einer guten architektonischen Begleitung spielt auch eine fundierte rechtliche Beratung eine zentrale Rolle.
So auch bei Frau Zanolli. Nach intensiver Planung teilte sie 2019 ihre 5-Zimmer-Maisonettewohnung im Stadtteil Rieselfeld in zwei eigenständige Einheiten. Eine besondere bauliche Herausforderung war die massive Betontreppe, die beide Etagen verband. Mit fachgerechtem Rückbau – Betonsäge und Meißel inklusive – entstand an ihrer Stelle neuer Raum für eine gemütliche Essecke. Der Aufwand hat sich gelohnt.
Seitdem bewohnt Frau Zanolli die untere Wohnung. In der oberen Wohnung lebt der von ihr getrenntlebende Ehemann.
Durch die Vermittlung des Projekts „Kleiner wohnen – besser wohnen“ folgte nun der nächste wichtige Schritt: Eine formelle Eigentümergemeinschaft wurde vereinbart. Beide getrenntlebende Ehepartner haben dadurch die Möglichkeit, unabhängig zu handeln, ihre Wohn- und Lebensentscheidungen flexibel zu gestalten und beispielsweise ihre Teilwohnung zu vermieten.
Das Beispiel zeigt: Neue Lösungen für sich verändernde Familiensituationen entstehen durch gute Begleitung – baulich, rechtlich und organisatorisch. Und sie brauchen Zeit, um zu einem Ergebnis zu führen, das für alle Beteiligten stimmig ist.
Vorausschauend gebaut: Mit Weitblick für alle Lebensphasen
„Schon bei unseren ersten Neubauüberlegungen war klar: Wir wollen nicht nur für heute, sondern für morgen bauen.“
Familie U. hat gemeinsam mit den Eltern bzw. Schwiegereltern ein Doppelgrundstück im Freiburger Stadtteil Mooswald erworben. Da das bestehende Bestandsgebäude für die Familie mit drei Kindern zu klein und sanierungsbedürftig war, entschieden sie sich für einen umfassenden Familienumbau mit vorausschauender Grundstruktur.
„Unsere Kinder waren bei den ersten Überlegungen ein, vier und sechs Jahre alt und wir wollten allen ihren Raum mit eigenen Zimmern ermöglichen. Uns war zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, dass wir diese großzügige Wohnfläche nicht immer brauchen werden.“
Die Idee hinter dem Bau war nicht nur ein Wohnen für die Gegenwart, sondern ein Zuhause mit Zukunftspotenzial – ein Ort, an dem alle Generationen möglichst lange selbstbestimmt leben können.
Erfahrungen mit der Wohnsituation älterer Familienmitglieder hatten gezeigt, wie schwierig das Leben im eigenen Haus werden kann, sobald Mobilität und Selbstständigkeit abnehmen. Spätere barrierefreie Umbauten sind meist aufwändig – häufig mit großen Eingriffen verbunden. Diesen Herausforderungen wollte Familie U. im Vorhinein entgegenwirken.
Deshalb wurde der Umbau so geplant, dass im Erdgeschoss ein zusätzliches Zimmer und ein vollwertiges Bad integriert sind, die später problemlos als Schlaf- und Wohnbereich im Alter genutzt werden können. Das Badezimmer wurde ebenerdig und barrierefrei angelegt, damit ein Leben im Erdgeschoss auch bei eingeschränkter Mobilität möglich ist. Durch einen einfach realisierbaren Wandeinzug im Erdgeschoss lässt sich der Baukörper zudem bei Bedarf in zwei separate Wohneinheiten teilen – ideal für spätere Nutzungsformen – ob Vermietung oder Wohnen mit mehreren Generationen unter einem Dach.
Mit dieser zukunftsorientierten Planung schaffte die Familie nicht nur ein familienfreundliches Zuhause für heute, sondern ein anpassungsfähiges Wohnkonzept, das flexibel auf veränderte Lebensphasen reagiert – von der Kinderzeit bis ins hohe Alter.
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Ihre Ansprechpartnerin

Stefanie Hertlein
Klimaschutz & Öffentlichkeit
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